Die Erzüchtung der Zwerg-Sulmtaler in der DDR und weiterer Farbenschläge der Zwerg-Sulmtaler in der BRD


Diese Niederschrift ist eine Fortsetzung der Abhandlung über die Entstehung der
Zwerg-Sulmtaler als Rasse unter der Überschrift „Die Zwerg-Sulmtaler“
(Zusammengestellt unter Mithilfe von August Heftberger und Dieter Vogel) vermutlich
aus dem Jahr 2010 oder früher.
In der früheren DDR gelten die Eheleute Ingeborg und Dieter Jaschke aus Berlin-
Kaulsdorf als Erzüchter der Zwerg-Sulmtaler. 1969 begannen sie diese Rasse aus
Sulmtalern, Zwerg-Altsteirern, gelben Zwerg-Orpington und Zwerg-New Hampshire
zu erzüchten. 1974 wurden sie in der DDR unter der Farbenschlagbezeichnung „rot“
anerkannt, die später in weizenfarbig geändert wurde. (Quellen: Geflügelstandard
des VKSK, Auflage 89 und „Garten und Kleintierzucht“ Ausgabe 5/84). In früheren
Auflagen des DDR-Standards gab es allerdings widersprüchliche Ausführungen über
die verwendeten Rassen. Bei der weiteren Stabilisierung der Rassemerkmale
spielten auch Bruteiimporte aus der BRD eine Rolle.
Nach der Anerkennung in der BRD im Jahr 1959 gab es lange Zeit nur den einen
Farbenschlag „Weizenfarbig“ (heute Gold-weizenfarbig). Dieter Vogel aus Schöneck
hat bei der Erzüchtung weiterer Farbenschläge wohl die größten Verdienste. Er hat
viele Jahre seiner Züchterlaufbahn der Schaffung neuer Farbenschläge gewidmet,
auch wenn sie nicht immer von Erfolg gekrönt waren.
Durch Einkreuzung einer etwas kräftigen blauen Zwerg-Kaulhenne an einen Hahn
seiner Zwerg-Sulmtaler schuf er die Grundlage für den blau-weizenfarbigen
Farbenschlag. Bereits in der F1 fiel ein Hahn, der seinen Vorstellungen recht
nahekam und der dann der Stammvater der blau-weizenfarbigen wurde. Bereits
1998 gelang ihm die Anerkennung des blau-weizenfarbigen Farbenschlages. 2000 in
Nürnberg standen bereits 11 Tiere von drei Ausstellern.
Etwa 2001 begann er mit der Erzüchtung der Silber-weizenfarbigen. Zunächst
versuchte er es durch Einkreuzung silbergrauer Zwerg-Sussex, was jedoch nicht den
gewünschten Erfolg brachte. Durch Einkreuzung eines silbernen Zwerg-
Welsumerhahnes stellten sich dann erste Erfolge ein. Die Silber-weizenfarbigen
wurden nach der Sichtung 2005, im Jahr 2006 durch Dieter Vogel zur Anerkennung
geführt. In Unkenntnis der Bemühungen von Dieter Vogel kreuzte Jörg Günther 2003
eine lachsfarbige Zwerg-Wyandotte in seine Zwerg-Sulmtaler ein, um
Silberweizenfarbige zu erzüchten. Bereits in der F2 traten nach entsprechender
Selektion weder gelbe Läufe noch Rosenkämme auf. Die weichen leicht gekrümmten
Steuerfedern hielten sich jedoch noch länger. Nach der späteren Vermischung beider
Linien verschwand dieser Makel. Zur Hauptsonderschau im Januar 2007 in
Barchfeld konnte Jörg Günther bereits eine Voliere dieses neuen Farbenschlages
zeigen.
Nachdem die zwei vorgenannten Farbenschläge nun vorhanden waren, sollte die
Erzüchtung der Blau-silberweizenfarbigen kein Problem sein. Dem war aber nicht so.
Nachdem sie Dieter Vogel 2005, 2006 und 2007 in der Sichtung zeigte, wurde vom
BZA keine Zulassung zum Anerkennungsverfahren erteilt. Er gab seine Zuchttiere

nach Österreich, wo der Farbenschlag bereits 2010 anerkannt wurde. Nach dieser
Anerkennung in Österreich konnte Jörg Günther den neuen Farbenschlag ohne
erneute Sichtung 2011 in Leipzig mit Tieren aus eigener Zucht sowie einem Althahn
aus der Zucht von Dieter Vogel zur Anerkennung bringen. Zur Europaschau der
Steirerhühner 2011 in Ried/A standen bereits 14,6 Blau-silberweizenfarbige.
Darüber hinaus begann Dieter Vogel auch mit der Erzüchtung des weißen Farben-
schlages, was naheliegend ist, da dieser Farbenschlag bei der Großrasse bereits
anerkannt war. Als Dieter Vogel diese Bemühungen beendete gab er Tiere an Peter
Brehm, Trusetal, der die Zucht weiterführte. Als dieser wiederum die Zucht einstellte,
begannen 2012 Rainer Schütrumpfs, Eisenach intensive Bemühungen diesen
Farbenschlag zur Anerkennung zu führen. Er verpaarte blau-weizenfarbige Hähne an
eine weiße Henne aus der Zucht von Peter Brehm und andererseits an eine weiße
Zwerg-Altsteirerhenne.
Die dritte Verpaarung eines gold-weizenfarbigen Hahnes an 0,1 Zwerg-Altsteirer
weiß, 0,1 Zwerg-Barnevelder weiß und 0,1 Zwerg-Reichshuhn weiß hat sich nicht
bewährt. Ab 2015 zeigte er Tiere in der Sichtung zur Lipsia-Schau und kreuzte erneut
eine weiße Zwerg-Altsteirerhenne ein. Die 2017 zur Nationalen in Erfurt gezeigte
hochwertige Kollektion konnte überzeugen, was zur Zulassung zum
Vorstellungsverfahren führte. In den Folgejahren konnten sie jedoch nicht
überzeugen. Durch Corona und Geflügelpest bedingte Schauausfälle ab 2020
verzögerte sich die Anerkennung weiter. 2022 übernahm Gerhard Stein 2
Zuchtstämme weißer Zwerg-Sulmtaler von Rainer Schütrumpf, die die Grundlage
für die Anerkennung bildeten. Zuvor hatte Gerhard Stein noch einen Splash-Hahn
aus blau-silberweizenfarbig an 0,1 weiß und eine blau-weizenfarbige Henne an 1,0
weiß verpaart, wodurch die Rassemerkmale weiter gefestigt wurden. Nachdem sich
Rainer Schütrumpf etwa 10 Jahre intensiv mit der Erzüchtung des weißen
Farbenschlages befasst hatte, konnte sie Gerhard Stein 2023 in Alsfeld/Hessen zur
Anerkennung führen.
Bereits 1997 wurden auch gesperberte Zwerg-Sulmtaler in der Sichtung gezeigt. Der
BZA lehnte diesen Farbenschlag ab, da den Zwerg-Sulmtalern die weizenfarbigen
Varianten vorbehalten sein sollten.
Quellen: Veröffentlichungen über Neuzüchtungen in der Fachpresse
Beitrag von Dieter Vogel in der Geflügelbörse 10/2002
Zuarbeiten von Dieter Vogel, Schöneck und Rainer Schütrumpf,

Eisenach

Mündl. Auskünfte von Peter Brehm, Trusetal und Klaus Reich,

Schweina
Zusammengestellt durch Jörg Günther, Kottmarsdorf, Dezember 2024

Die Zwerg-Sulmtaler

Zwerg-Sulmtaler sind Zuchtfreund Webers H. J. zu verdanken. Anfang der fünfziger Jahre wurden diese Zwerghuhn Rasse in Iserhagen bei Hannover herausgezüchtet. 1957 wurden diese Hühner als eigenständige Rasse bei der Deutschen Junggeflügelschau in Hannover zum ersten mal von ihrem Erzüchter H. J. Webers als Neuzüchtung vorgestellt.

Zur Herauszüchtung der Zwerg-Sulmtaler wurden neben den großen Sulmtalern, gold-weizenfarbige Altenglische Zwerg-Kämpfer, goldhalsige Deutsche Zwerghühner, gelbe Zwerg Orpington, chamoisfarbene Zwerg-Paduaner und weizenfarbige Chabo verwendet. Später wurden nochmals Einkreuzungen von Zwerg-Lachshühnern und roten Zwerg-Orpington vorgenommen um der Rasse eine vollere Form mit niedrigerem Stand und einer kürzeren Schwanzfeder zu geben.
Mehrere Jahre stellte Webers seine Zwerg-Sulmtaler bei den Ausstellungen in der Klasse für Neuzüchtungen aus bis sie dann 1961 anerkannt wurden.

Der Erzüchter war bestrebt, die Zwerg-Sulmtaler so klein wie möglich zu züchten, auch die Steuerfedern waren sehr kurz, dies wirkte sich aber nachteilig auf die Körperform und Schwanzwinkel aus.

Die als kleiner bekannten Zwerg-Altsteirer waren zum Schluss schon immer um einiges größer als die Sulmtaler und das konnte nicht sein. Die Funktionäre aus den SV der BRD, CH, und Österreich überarbeiteten den Standard und legten ein neues Körpergewicht Henne 1000 und Hahn 1200 Gramm fest. Auch Steuerfedern wurden auf mittellang geändert, um wieder einen einwandfreien Schwanzwinkel zu bekommen.
Das Brutei-Gewicht wurde auf 40 Gramm angehoben.

Auch wenn die Zwerg-Sulmtaler nicht als die fleißigsten Winterleger gelten, erreichen sie doch im Durchschnitt 160-180 Eier im Jahr. Die Schalenfarbe ist laut Standard mit Rahmweiß vorgegeben.

Es handelt sich bei dieser Rasse um ein lebhaftes und bewegliches aber dennoch zutrauliches Zwerghuhn. Diese sind bei der Haltung, Brut und Aufzucht genauso problemlos wie viele andere Rassen. Ein weiterer Vorteil ist, daß man bei den drei bis vier Wochen alten Küken bereits die Geschlechter erkennen kann. Bei den Hähnen zeigen sich dann die ersten schwarzen Federchen am Mantelgefieder. Zu diesen frühen Zeitpunkt sind krumme Zehen und auch bereits Kammfehler zu erkennen und zu sortieren. Da ein Großteil der Züchter genug Nachzucht anstrebt, kann durch das frühe Sortieren für die einwandfreien Tiere durch Abgabe an Hobbyhalter Platz geschaffen werden.

Bei den Hennen kommt zuweilen eine Brutlust vor. Wenn eine Glucke gesetzt wird, ist sie eine ruhige und zuverlässige Mutter, die sich um die Küken kümmert.

Aber ein Großteil der Züchter setzt auf die künstliche Brut und Aufzucht, wobei diese auch keine Schwierigkeiten bereitet. Mit der Kunstbrut hat man die Möglichkeit, mehr Jungtiere auszubrüten. Mehr Kapazität als mit einer oder mehreren Glucken.

Die Zwerg-Sulmtaler sollen den Masthuhntyp genauso verkörpern, wie die Großrasse.
Der Stand ist mittelhoch mit abgerundeter Kastenform. In der Standhöhe erscheinen die Hennen etwas niedriger, dadurch ist der Masthuhntyp noch ausgeprägter als bei den Hähnen. Die Läufe sind feinknochig und fleischfarbig, bei den Hähnen an den Längsseiten der Läufe mit roten Streifen versehen. Die sogenannten Admiralstreifen dürfen bei der Bewertung nicht beanstandet werden.

Ebenso ist ein rötlicher Anflug zwischen den Zehen gestattet. Der Schnabel ist bei beiden Geschlechtern hornfarbig aber nicht gelb. Die lebhaften Augen sind orangerot.

Der reichbefiederte mittellange Hals, geht bei beiden Geschlechtern in die tiefe breite Brust über. Das flaumreiche Schenkelgefieder liegt nicht fest an, darf aber trotzdem nicht zu stark abstehen, die darüber liegenden Flügel sollen fest anliegen, Hängeflügel sind verpönt, außerdem ist auf Flügellücken zu achten. Tiere mit solchen Fehlern gehören in der Küche verarbeitet.

Der Rücken ist mittellang mit gerader Linie und dem ausgeprägten Schwanzwinkel, der nur durch nicht zu kurze gefächerte Steuerfedern erreicht werden kann.

Der Kopf ist mittelgroß mit einem nicht zu großen Schopf, der beim Hahn auch aus nur einzelnen Federn bestehen kann. Auf keinen Fall darf der Schopf so groß sein, dass die Sicht der Tiere eingeschränkt wird. Der gleichmäßig mit 4-6 Zacken nicht zu tief geschnittene Kamm wird mittelgroß mit leicht ansteigender Fahne verlangt. Beim Hahn steht die Kammfahne durch den Schopf bedingt öfters etwas zur Seite, dies wird nicht als Fehler betrachtet, außerdem ist im Vorkamm des Hahnes eine Stützfalte gestattet. Diese Stützfalte ist für die Hennenzucht wichtig, um auch den geforderten Wickelkamm zu erhalten. Die Hennen haben als Rassemerkmal den sogenannten Wickelkamm, der bei den Zwergen nicht so extrem ausgeprägt vorhanden ist wie bei der Großrasse. Stehkämme sind nicht erwünscht.

Die Ohrscheiben sind weiß, glatt und nicht zu groß, rötlich eingefasste gelten nicht als Fehler.

Die Farbbezeichnung heißt seit Anerkennung der blau-weizenfarbigen Zwerg-Sulmtaler im Jahr 1995 gold-weizenfarbig
Hier handelt es sich um eine Aufhellung der Wildfarbe.
Daraus ergibt sich auch der geschlechtsgebundene Unterschied in der Gefiederfarbe bei Hahn und Henne. In Bezug auf die Weizenfarbe ist ein großer Spielraum, man betrachte ein Weizenkorn oder ein Weizenstroh. Genaue Abgrenzungen in der Gefiederfarbe der Hennen werden nie einheitlich sein, zudem gibt es zu viele unterschiedliche Farbtönungen.
Stärkere Anhäufung von schwarzem Pigment sind nicht erwünscht. 
Man kann auch nicht eine exakt definierte Weizenfarbe fordern.

Der Hahn zeigt einen anders geformten und kleineren Schopf, der in der Farbe braunrot gefärbt ist. Der goldbraune Halsbehang ist am Kopf am dunkelsten und hellt im unteren Drittel zu den Schulter auf. Helle Halsbehänge gelten als fehlerhaft. Erwünscht ist eine rein schwarzes Brust und Schenkelgefieder mit grünen Glanz, leicht bräunliche Spritzer im Brustgefieder sind gestattet, braun gesäumtes Brustgefieder ist nicht zu tolerieren und für die Zucht zu vermeiden.
Ein mahagonifarbener Farbton zeigt sich im Rückengefieder sowie auf den Schultern, der Sattelbehang wird in goldbraun erwünscht. Die Steuerfedern sind schwarz, das gleiche gilt für die möglichst breiten Haupt- und Nebensicheln, besonders hier tritt der schöne grünliche Gefiederglanz in Erscheinung. Eine bräunliche Einfassung der Hauptsicheln ist nicht fehlerhaft. Die Hauptsicheln überdecken die Steuerfedern und wirken voll und ganz geschlossen besonders schön.

Im Gegensatz zu den Hähnen sind die Hennen ganz anders gefärbt.
Der Halsbehang bei den Hennen ist mit dunkel-goldfarbig am dunkelsten, leicht schwärzliche Einlagerungen sind gestattet, jedoch keine Schaftstriche. Besonders atraktiv wirkt ein heller, blonder nicht zu großer gut geschlossener Schopf. Dieser kann auch eine dunklere Weizenfarbe aufweisen. Das Rückengefieder, die seitlichen Federpartien zeigen eine mittlere Tönung des Gefieders, das Flügeldreieck muß erkennbar sein, dagegen ist das Brust-, Bauch- und Schenkelgefieder am hellsten gefärbt. Die grauschwärzlich bis lederbraun gefärbten Steuerfedern bilden den kontrastreichen Abschluss.
Zeigt sich eine Rieselung oder Pfeffer, wie bei rebhuhnfarbigen Farbenschlägen ist das genauso fehlerhaft wie gelbes Gefieder. Einer Weizenfarbe entspricht es auch dann nicht mehr, wenn die Mantelfarbe zu braun wird, oder auf den Flügeldecken zu wenig Farbstoff vorhanden ist. Das gleiche gilt für gesäumte Federn des Mantelgefieders ähnlich denen der Lachshühner.

Blau-weizenfarbige Zwerg-Sulmtaler
Seit 1995 ist der wunderschöne Farbenschlag blau-weizenfarbig anerkannt.
Zfrd. Dieter Vogel aus Schöneck brachte diesen attraktiven Farbenschlag zur Anerkennung. Er kreuzte Zwerg-Andalusier mit Zwerg-Sulmtaler was aber vom Typ her nicht funktionierte. Dann versuchte er es mit einer blauen Zwerg-Kauler Henne mit Schopf was endlich zum Erfolg führte.

In den Rassemerkmalen gibt es zu den weizenfarbigen keine Unterschiede, ja in der Qualität ist dieser Farbenschlag bereits den weizenfarbigen überlegen.

Alles was beim weizenfarbigen Hahn in schwarz erscheint, wird bei der blauen Variante in einem möglichst gleichmäßigen blau angestrebt. Das Flügeldreieck muss braun erscheinen.

Zugeständnisse sind noch in der Farbe der Schwanzpartie zu machen. Weiters wird die Brustfarbe noch im helleren und dunkleren blau mit leichtem Saum gestattet.

Zur Farbe der Hennen.
Am äußeren Mantelgefieder sind die beiden Farbenschläge nicht zu unterscheiden.
Bei den blau-weizenfarbigen Hennen sind nur die Außenfahnen der Armschwingen und Steuerfedern mit blauer Farbe ausgestattet. In den Handschwingen ist kein blau vorhanden.

Weiße Zwerg-Sulmtaler
entstammen der Züchterwerkstatt von Rainer Schütrumpf der sie ab 2015 in der Ausstellungsklasse Neuzüchtungen vorstellte. 2023 konnten sie dann durch Gerhard Stein zur Anerkennung gebracht werden.
Als Farbe wird ein glänzendes Silberweiß gefordert.

Grobe Fehler:
Gelbliche oder unreine Gefiederfarbe.

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